HOG-Treffen der Gemeinde NEUBESCHENOWA

 

Das 22. Treffen der HOG-NEUBESCHENOWA wird den Teilnehmern an dieser Veranstaltung gewiss noch lange in sehr angenehmer Erinnerung bleiben. Trotz widriger Wetterverhältnisse versammelten sich am Samstag, den 14. September 2013, bis zum Abend 130 Landsleute aus unserer ehemaligen Heimatgemeinde. Der Vorstand der HOG hatte ein abwechslungsreiches wie anspruchsvolles Programm zusammengestellt.

Der Nachmittag begann mit einem gemeinsamen Mittagstisch und anschließenden Wahlen des Vorstandes. Diese wurden von Herrn Matthias Wanko, unserem Ehrenvorsitzenden geleitet. Alter und neuer Vorsitzender ist Ewald Müller, stellvertretende Vorsitzende Maria Friedrich, Kassenwart ist Anni Palmert, Schriftführerin Gerda Filippi. Als Beisitzer wurden Karin Müller-Franzen, Melitta Willkomm, Viktor Filippi, Barbara Hühn, Edgar Mayer, Gerhard Christian, als Kassenprüfer wurden Konstantine Slavik und Herta Krauss gewählt. Die Teilnehmer beglückwünschen alle Mitglieder des Vorstandes für ihren Einsatz für die Heimatortsgemeinschaft.

In der nahegelegenen Kirche von Laimering feierten wir gemeinsam eine Heilige Messe mit Pater Lucian, einem katholischen Priester aus Bacau, der in Bergen am Chiemsee seinen Dienst in der Kirche versieht. Der Gottesdienst bewegte die Landsleute, konnten wir doch gemeinsam die Messe erleben. Besonders ist zu erwähnen, dass der Gottesdienst von dem jungen Trompeter, Oliver Christian, dem Sohn von Harald und Liane Christian, mitgestaltet wurde. Seine Musik ging allen Kirchenbesuchern sehr nahe, gab dem Gottesdienst eine festliche Note, war erhebend und feierlich.

Ein großer Teil der Landsleute fand sich gegen Abend zu einer Dichterlesung ein. Geladen war der Banater Schriftsteller Johann Lippet, der durch Melita Willkomm und Siegrun Jäger vorgestellt wurde. Der Autor las Stellen aus seinem Roman "Bruchstücke aus erster und zweiter Hand" vor. Im Mittelpunkt des Romans steht der zweiundzwanzigjährige Enkel eines Banater Schwaben. Das gute Verhältnis zu seinem Großvater und die lebendige Erinnerung an die Erzählungen desselben bringen den Enkel auf die Reise ins Banat, wo er auf eine völlig unbekannte Lebenswirklichkeit stößt. Die Zuhörer aber kannten diese Welt aus eigener Erfahrung. Durch die Beschreibung der Erfahrungen, die der Enkel im Banat während seines dortigen Aufenthalts macht, nimmt der Autor die Zuhörer mit, führt sie in die ihnen so vertraute Vergangenheit zurück, was bei ihnen sehr angenehme aber auch wehmütige Gefühle weckte. Die Dichterlesung wurde vom Ehepaar Harald und Liane Christian auf der Geige bzw am Keyboard musikalisch umrahmt. Sowohl die Andalusische Romanze wie auch das dargebotene Menuett begeisterten das Publikum.

Musik stand bei diesem Treffen im Mittelpunkt. Das ehemalige Regert-Quintett bot in Erinnerung an den tragischen Tod des Gründers vor vierzig Jahren in Neubeschenowa ein Ständchen. Die Musiker Weschler Anton (Freidorf), Ewald Müller, Roland Mutter und Viktor Filippi spielten und sangen Lieder aus ihrem früheren Repertoire. Das Quintett, die Eheleute Harald und Liane Christian wie auch der Sohn Oliver Christian musizierten an diesem Abend ehrenamtlich – es war ihnen eine Ehre, sich für Freunde einzusetzen.

Es folgten noch das Totengedenken, die Banater Hymne, die Ansprache des Vorsitzenden, die Vorstellung des neugewählten Vorstandes und das Grußwort unseres Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Herrn Peter-Dietmar Leber. Er begrüßte die Anwesenden, lobte die Mithilfe der Neubeschenowaer Landsleute beim Umzug der Landmannschaft innerhalb Münchens, dankte für deren Hilfe und begründete, warum auch heute noch die Verbandsarbeit der Landsmannschaft der Banater Schwaben sehr wichtig ist. Ein weiterer angekündigter Gast, der Bürgermeister der Gemeinde Neubeschenowa, Alin Nica, konnte leider am Treffen nicht teilnehmen, da er verhindert war.

Unsere stellvertretende Vorsitzende Maria Friedrich, Verfasserin des Neubeschenowaer Familienbuches, hatte sich bereit erklärt, über ihre Ahnenforschung zu informieren. So fanden sich am späten Abend interessierte junge und ältere Landsleute ein, die sich mit Frau Friedrich über ihre eigenen Anliegen in Sachen Familienforschung angeregt unterhielten. Dabei konnte Frau Friedrich in dieser Materie wertvolle Tipps geben, wie ein Stammbaum erstellt werden kann, welche Arten der Darstellung man wählen kann und wie das Buch dabei hilft.

Der Abend klang gemütlich aus. Uwe Strobel (Seine Frau war mit dabei und hat uns dankenswerter Weise zahlreiche Fotos zur Verfügung gestellt.) aus Fürstenfeldbruck, ein Alleinunterhalter mit viel Freude an der Musik, unterhielt die Gäste bis spät in die Nacht. Für einige war da aber immer noch nicht Schluss. Bis in die frühen Morgenstunden wurde mit Akkordeon-Untermalung von Toni Weschler gesungen.

Was der Vorstand in seiner Einladung versprochen hatte, wurde geboten: ein freudiges Wiedersehen, schöne gemeinsam verbrachte Stunden im Beisein bekannter Landsleute, anregende Gespräche, der Austausch wertvoller Erinnerungen, musikalischer und literarischer Kunstgenuss. Die Teilnehmer danken dem Vorsitzenden und dem gesamten Vorstand für die Mühe bei der
Organisation und Durchführung.

Edith Jakoby

 

 

Beisammensein im Festsaal des Gasthofs „Asum“ in Laimering

 

 

Anton Weschler (Akkordeon), Viktor Filippi (Trommel), Roland Mutter (Saxophon), Ewald Müller (Tenorhorn), im Hintergrund: Uwe Strobel

 

 

Sarah und Oliver Christian

 

 

Erinnerungen und Erlebnisse eines “Outsiders” anlässlich des Heimatsortstreffens Neubeschenowa

 


 

In den letzten Jahren gewann das Thema „Banat und die Banater Schwaben” sowohl in der deutschen als auch in der rumänischen öffentlichen Sphäre zunehmend an Bedeutung. Das Schicksal der Banater Schwaben, besonders in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts, stellt heutzutage ein Hauptanliegen, nicht nur in der gesamteuropäischen Geschichtsschreibung sondern auch, in den Debatten und Stellungnahmen verschiedener politischer Kreisen dar. Es lässt sich zur Zeit leicht erkennen, dass das Wiedererwachen des ethno-kulturellen Bewusstseins bei den Banater Schwaben positive Auswirkungen, vor allem im Bereich der politischen Vertretung und Entscheidungsfindung, hat. In diesem besonderen Zusammenhang wird die Förderung der Schwaben-Identität sowie ein verstärktes Agieren dieser Gruppe auf öffentlicher Bühne zu einer legitimen, wünschenswerten Zielvorgabe.

Am 14 September 2013 fand im Gasthof „Asum“ in Dasing-Laimering (Bayern), das zweiundzwanzigste Treffen der HOG-Neubeschenowa statt. Dank der Entschlossenheit und Überzeugungskraft der Familie Müller aus Puchheim bot sich die Gelegenheit für ein Zusammentreffen der Neubeschenowa-Schwaben im Rahmen einer institutionalisierten Veranstaltung. Gegen Mittag kamen die ersten Gäste an und wurden freundlich von den Veranstaltern empfangen. Nach dem Mittagessen fand einen Gottesdienst in der lokalen Kirche statt. Anschließend organisierte man die Wahlen zur Bestimmung des neuen Vorstandes. Man konnte nach den entsprechenden Debatten die Anschauungen der verschiedenen HOG-Mitglieder harmonisieren und somit einen Konsens erreichen: Herr Ewald Müller wurde erneut zum Leiter der HOG-Neubeschenowa gewählt.

Ermutigt durch die zahlreiche Erscheinung der Banater Landsleute, gaben die Veranstalter eine kulturelle Überraschung bekannt: die Lesung des aus Wiseschdia (Banat) stammenden Schriftstellers Johann Lippet. Das literarische Event weckte sofort das Interesse der meisten Teilnehmer. Das Publikum hörte aufmerksam zu und ließ sich langsam, durch die Kraft der Metapher in die alte Banater Welt versetzen. Der Begriff „Heimat“ wurde systematisch dekonstruiert und somit zum Hauptthema der folgenden Diskussionen. Man beschrieb Erlebnisse und Erinerrungen aus der Kindheit, aus der Heimat, ... oder doch aus einer unwiederbringlichen Vergangenheit. Das Umgehen mit der Geschichte oder die Vergangenheitsbewältigung stellen für jede Person eine einzigartige Individual- bzw. Kollektivanalyse dar. Durch seine Lesung gab Lippet den Anreiz zur Aktualisierung wichtiger Identitätsmerkmale unter den Banater Schwaben. Die Reaktion und anschließend das diskursive Verhalten des Publikums zeigten in vieler Hinsicht, eben diese vielfältigen Gestaltungsmechanismen in der kollektiven Identität einer ethno-kulturellen Gruppe auf. Die Tatsache, dass die Identität der Schwaben stark in der Banater Geschichte verankert ist, lässt sich durch zahlreiche Elemente erkennen. Die Existenz einer Landsmannschaft und der untergeordneten HOG ist vielleicht das wichtigste institutionelle Beispiel. Aus externer Perspektive spielt dieser Aspekt eine entscheidende Rolle vor allem, weil man leicht bemerken kann, dass diese institutionelle Infrastruktur im wahrsten Sinne des Wortes die Vorstellungen und Erwartungen der Banater Schwaben entspricht.

Das Banat hat eine lange multikulturelle Tradition und die Banater Schwaben trugen dazu bei, diese Tradition zu bewahren und zu entwickeln. Das ist weder eine politisch konstruierte Einstellung noch eine historische Notwendigkeit. Das war und bleibt immer noch gemeinschaftlich bedingt, d. h. einen natürlichen, von Menschen getragenen Prozess. Es ist ohnehin erfreulich zu bemerken, dass dieses besondere Kulturmerkmal bei den seit Jahren in Deutschland lebenden Banater Schwaben erhalten blieb.

Das literarische Event gab den Banater Schwaben nicht nur die Möglichkeit, sich mit den Begriffe „Heimat“ oder „Identität“ auseinanderzusetzen, sondern auch die Chance, einen wichtigen Vetreter der Banater Kultur persönlich kennenzulernen. Bedauerlicherweise sind die Eliten der Banater Schwaben nicht überall und von allen Landsleuten bekannt. Unter diesen Umständen erweist sich die Förderung der authentischen Banater Kultur (auch im Rahmen der HOG-Treffen) als imperativ.

Am Abend fanden weitere interesante Ereignisse statt. Bemerkenswert war die Rede des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Herrn Peter-Dietmar Leber. Im Kontext der aktuellen grenzüberschreitenden politischen und sozialen Tatsachen, betonte er die Relevanz des gemeinschaftlichen Dialogs und die Notwendigkeit einer proaktiven, systematischen Mitwirkung aller Landsleute im Prozess der Konsolidierung und Weiterentwicklung der institutionellen Dimension des Banater Schwabentums. Die Banater Schwaben benötigen nicht nur ein entsprechendes kulturelles Ansehen, sondern auch eine effiziente, pragmatisch orientierte, politische Vertretung. Das ist eine allgemeingültige Voaussetzung zur Verwirklichung der legitimen Interessen aller sozialen Gruppen.

Der Abend verlief anschließend sehr entspannt und weniger formell. Gutes Essen und gutes Bier sorgten zusammen mit der musikalischen Aufführung für die passende Stimmung. Ein originelles und zugleich von allen erwartetes Ereignis des Abends war der Auftritt des in Neubeschenowa gegründeten „Regert-Quinttets“. Die Mitglieder der Band (darunter auch, der Leiter der HOG-Neubeschenowa, Ewald Müller) wurden für Ihre Leistung mit Riesen-Applaus belohnt. Man begann zu tanzen und die Party dauerte bis spät in die Nacht.

Aus der Perspektive eines Außenseiters hatte das Treffen der HOG-Neubeschenova eine große gemeinschaftliche Relevanz. Für den Vorstand wird die Zukunft bestimmt gewisse Herausforderungen bringen: Integration und Beteiligung von Jugendlichen an der Entscheidungsfindung, die Suche nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten, die Konsolidierung der Beziehungen zu den politischen Kreisen, die Präsenz auf sozialen Medien, etc. Erfreulicherweise kann man aber feststellen, daß die Förderung der institutionellen Dynamik und der organisierten Zusammenarbeit unter den Banater Schwaben ein wichtiges strategisches Ziel der zuständigen Entscheidungsträger darstellt.

Abschließend will ich aus dem Gedicht „Vereinsamt“ des Philosophen Friedrich Nietzsche die erste und letzte Strophe zitieren:

 

„Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n –
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n,
Weh dem, der keine Heimat hat!“
 

 

Mihai A. Panu